Stell dir vor, du öffnest morgens deine Augen und das erste, was du hörst, ist das sanfte Rauschen des Atlantiks vor deiner Haustür. Während deine Freunde in Deutschland noch den Wintermantel aus dem Schrank kramen, trinkst du deinen Kaffee auf der Terrasse bei 22 Grad und Sonnenschein. Genau so startete mein neues Leben, nachdem ich vor drei Jahren den mutigen Schritt gewagt hatte, nach Gran Canaria auszuwandern. In diesem ausführlichen Erfahrungsbericht teile ich mit dir alles, was du wissen musst – von den bürokratischen Hürden bis hin zu den unerwarteten Herausforderungen und den wunderschönen Momenten, die das Inselleben mit sich bringt.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Warum ich mich für Gran Canaria entschieden habe
- 2 Die größten Herausforderungen beim Auswandern
- 3 Schritt-für-Schritt: Deine Auswanderung planen
- 4 Integration: So wirst du zum echten Canario
- 5 Immobilien: Kaufen oder mieten?
- 6 Praktische Alltagstipps für Neuankömmlinge
- 7 Häufige Fragen neuer Auswanderer
- 8 Mein Fazit nach drei Jahren
Warum ich mich für Gran Canaria entschieden habe
Das Klima war der Türöffner
Wer kennt das nicht? Monatelang graue Himmel, Nieselregen und diese bleierne Müdigkeit, die sich schon im Oktober einschleicht. Nach einem besonders dunklen Winter 2020 war für mich klar: Es muss sich etwas ändern. Gran Canaria bietet über 300 Sonnentage im Jahr – das ist nicht nur eine Statistik, sondern pure Lebensqualität.
Die Temperaturen schwanken zwischen angenehmen 18 Grad im Winter und maximal 28 Grad im Sommer. Keine extremen Hitzeperioden wie in anderen südlichen Ländern, keine eisigen Minusgrade. Dieses ganzjährig milde Klima hat meinen Biorhythmus komplett verändert. Ich bin morgens automatisch früher wach, habe mehr Energie und – ehrlich gesagt – bin ich einfach glücklicher geworden.

Lebensqualität neu definiert
Das entspannte Lebenstempo auf den Kanaren ist etwas ganz Besonderes. Während in Deutschland oft das Motto „Zeit ist Geld“ herrscht, leben die Canarios nach dem Prinzip „La vida es para disfrutar“ – das Leben ist zum Genießen da.
Die Siesta ist nicht nur ein Klischee, sondern ein echter Lebensretter in den heißen Mittagsstunden. Zwischen 14 und 17 Uhr ruht die Insel, und anfangs dachte ich, das würde mich stören. Heute schätze ich diese Pause ungemein – sie gibt dem Tag eine natürliche Struktur und sorgt dafür, dass man abends länger fit bleibt.
Überraschend günstige Lebenshaltungskosten
Ein großer Irrtum vieler Deutschland ist die Annahme, dass das Leben auf einer spanischen Insel automatisch teuer sein muss. Tatsächlich sind die Lebenshaltungskosten in vielen Bereichen niedriger als in deutschen Großstädten:
- Mieten: Ein 2-Zimmer-Apartment in guter Lage kostet zwischen 600-900 Euro (vergleichbar mit Hamburg oder München: 1.200-1.800 Euro)
- Lebensmittel: Grundnahrungsmittel sind etwa 20-30% günstiger, lokale Produkte sogar noch preiswerter
- Restaurants: Ein Menü del día mit drei Gängen kostet 8-12 Euro
- Benzin: Deutlich günstiger als in Deutschland dank niedrigerer Steuern
Natürlich gibt es auch teurere Ecken, besonders in den Touristenzonen. Aber wenn du wie ein Einheimischer lebst und einkaufst, kommst du definitiv günstiger weg als in den meisten deutschen Städten.
Natur pur vor der Haustür
Gran Canaria ist ein Miniaturkontinent auf nur 1.560 km². Morgens kannst du in den Bergen von Tejeda wandern, mittags am Strand von Maspalomas entspannen und abends durch die historischen Gassen von Las Palmas schlendern. Diese Vielfalt auf kleinstem Raum ist einzigartig.
Besonders beeindruckt hat mich der Roque Nublo, ein 80 Meter hoher Vulkanfelsen, der als Wahrzeichen der Insel gilt. Die Wanderung dorthin führt durch Kiefernwälder, die mich jedes Mal an Skandinavien erinnern – und das bei subtropischem Klima.
EU-Mitgliedschaft erleichtert alles
Als EU-Bürger brauchst du kein Visum und behältst alle deine Rechte. Das vereinfacht nicht nur den Umzug, sondern auch den Alltag erheblich. Deine deutsche Krankenversicherung gilt weiterhin, du kannst problemlos Geld überweisen und musst dir keine Sorgen um Aufenthaltsgenehmigungen machen.
Die steuerlichen Vorteile sind ein zusätzlicher Bonus: Die Kanaren haben einen Sonderstatus innerhalb der EU, wodurch die Mehrwertsteuer (IGIC) nur 7% statt 21% beträgt. Für Unternehmer gibt es die ZEC (Zona Especial Canaria) mit reduzierten Körperschaftssteuern von nur 4%. Details dazu findest du auf der offiziellen Website der spanischen Steuerbehörde.
Die größten Herausforderungen beim Auswandern
Bürokratie – der ewige Kampf
Lass uns ehrlich sein: Die spanische Bürokratie ist eine Geduldsprobe. Meine erste große Hürde war die NIE-Nummer (Número de Identificación de Extranjero). Ohne diese Nummer läuft in Spanien gar nichts – weder Bankkonto eröffnen, noch Handy-Vertrag abschließen oder Strom anmelden.
Der Prozess ist zwar standardisiert, aber die Termine sind oft wochenlang ausgebucht. Mein Tipp: Termine online über die Website des spanischen Innenministeriums buchen und flexibel bei den Uhrzeiten sein. Manchmal werden kurzfristig Termine frei.
Benötigte Unterlagen für die NIE-Nummer:
- Ausgefülltes Formular EX-15
- Kopie des Reisepasses
- Nachweis des Grundes (Arbeitsvertrag, Mietvertrag oder Bankbescheinigung)
- Gebühr von 10,71 Euro
Sprachbarrieren im Alltag
Auch wenn viele Touristen mit Englisch durchkommen – im echten Leben ist Spanisch unverzichtbar. Beim Arzt, auf dem Amt oder beim Handwerker kommst du ohne Spanischkenntnisse nicht weit.
Ich hatte zwar Schulspanisch, aber das reichte bei weitem nicht aus. Besonders herausfordernd war der kanarische Dialekt mit seinem weichen ‚S‘ und den vielen verschluckten Silben. Was in Madrid klar und deutlich gesprochen wird, klingt auf den Kanaren oft wie ein Gemurmel.
Meine Empfehlung: Beginne schon vor dem Umzug mit einem Spanischkurs und suche dir nach der Ankunft eine lokale Sprachschule. Das hilft nicht nur bei der Verständigung, sondern auch beim Knüpfen von Kontakten.
Die Hitze unterschätzen
Das ganzjährig warme Klima ist ein Segen – aber auch eine Herausforderung. Die Sommermonate von Juli bis September können mit Temperaturen über 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit anstrengend werden. Dazu kommt der Calima, ein Sandsturm aus der Sahara, der mehrmals im Jahr über die Inseln fegt und die Luft staubig macht.
In meinem ersten Sommer habe ich den Fehler gemacht, mittags Sport zu treiben und viel zu wenig zu trinken. Resultat: Ein Kreislaufkollaps und ein Besuch im Krankenhaus. Heute halte ich mich strikt an die Siesta-Zeiten und verlege alle Aktivitäten auf die frühen Morgen- oder späten Abendstunden.
Gesundheitsversorgung verstehen
Das spanische Gesundheitssystem gilt als eines der besten weltweit laut der World Health Organization, aber es funktioniert anders als das deutsche System. Als EU-Bürger hast du mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) Anspruch auf Notfallbehandlung.
Für eine dauerhafte Versorgung musst du dich jedoch im spanischen System anmelden. Das geht über die Tarjeta Sanitaria, die du bei der örtlichen Gesundheitsbehörde beantragst. Wichtig: Bringe alle deine deutschen Arztberichte übersetzt mit – das spart später viel Zeit und Geld.
Private Krankenversicherung ist eine Überlegung wert, da die Wartezeiten im öffentlichen System teilweise lang sind. Anbieter wie Sanitas oder DKV kosten etwa 50-80 Euro monatlich und bieten deutlich kürzere Wartezeiten.
Die Wohnungssuche war eine meiner größten Herausforderungen. Der Markt ist hart umkämpft, besonders in beliebten Gebieten wie Las Canteras oder Playa del Inglés. Viele Vermieter bevorzugen Einheimische oder verlangen Kautionen von drei Monatsmieten.
Realistische Mietpreise (2024):
- 1-Zimmer-Apartment: 500-700 Euro
- 2-Zimmer-Apartment: 700-1.000 Euro
- 3-Zimmer-Apartment: 900-1.400 Euro
- Villa mit Pool: 1.500-3.000 Euro
Die besten Angebote findest du auf lokalen Plattformen wie Idealista oder Fotocasa. Noch besser: Persönlich vor Ort suchen und Kontakte knüpfen. Viele Wohnungen werden nie online inseriert.
Schritt-für-Schritt: Deine Auswanderung planen
Phase 1: Rechtliche Grundlagen (3-6 Monate vorher)
NIE-Nummer beantragen ist der erste kritische Schritt. Du kannst das bereits aus Deutschland machen über das Spanische Konsulat in Berlin. Das erspart dir wertvolle Zeit nach der Ankunft.
Wichtige Dokumente sammeln:
- Geburtsurkunde (übersetzt und apostilliert)
- Führungszeugnis (nicht älter als 3 Monate)
- Nachweis über Krankenversicherung
- Bankbescheinigungen über finanzielle Mittel
- Arbeitsverträge oder Rentenbescheide
Pro-Tipp: Lass alle Dokumente von einem beeidigten Übersetzer ins Spanische übersetzen und mit der Apostille versehen. Das kostet zwar Geld, aber spart später enormen Aufwand.
Phase 2: Sprachvorbereitung (6-12 Monate vorher)
Spanischkenntnisse sind nicht nur hilfreich, sondern absolut notwendig. Melde dich für einen Kurs an der Volkshochschule an oder nutze Apps wie Babbel oder Duolingo für die Basics.
Besonders wichtig sind alltagstaugliche Begriffe:
- Bürokratie-Vokabular (NIE, Empadronamiento, Ayuntamiento)
- Medizinische Begriffe
- Immobilien-Fachbegriffe
- Bankwesen
Kanarische Besonderheiten solltest du auch kennen: „Guagua“ statt „Autobús“ für Bus, „Papa“ statt „Patata“ für Kartoffel und das weiche ‚S‘ in der Aussprache.
Phase 3: Finanzplanung (3-6 Monate vorher)
Erstelle einen detaillierten Finanzplan mit allen zu erwartenden Kosten:
Einmalige Kosten:
- Umzug: 2.000-5.000 Euro
- Kaution + erste Miete: 2.000-3.000 Euro
- Anschaffungen/Möbel: 3.000-8.000 Euro
- Behördengänge/Übersetzungen: 500-1.000 Euro
Monatliche Kosten:
- Miete: 600-1.200 Euro
- Nebenkosten: 100-200 Euro
- Lebensmittel: 300-500 Euro
- Krankenversicherung: 50-100 Euro
- Sonstiges: 400-600 Euro
Plane unbedingt einen Notfallpuffer von mindestens 6 Monaten ein. Erfahrungsgemäß dauert es 3-6 Monate, bis sich alles eingespielt hat.
Phase 4: Wohnungssuche (2-3 Monate vorher)
Die Fernsuche ist möglich, aber riskant. Besser ist eine Scouting-Reise von 1-2 Wochen, bei der du verschiedene Gegenden kennenlernst und dir einen Überblick verschaffst.
Beliebte Gebiete für Deutsche:
- Las Palmas: Urbanes Leben, gute Infrastruktur, Kulturangebot
- Maspalomas/Playa del Inglés: Strandnähe, touristisch, viele Deutsche
- Puerto Rico/Amadores: Ruhiger, familienfreundlich, höhere Preise
- Tejeda/Inland: Natur pur, günstiger, aber weniger Infrastruktur
Meide die rein touristischen Hochburgen, wenn du als Einheimischer leben willst. Besser sind Mischgebiete mit guter Balance zwischen Expats und Locals.
Phase 5: Gesundheitsversorgung organisieren
Vor dem Umzug solltest du alle wichtigen Untersuchungen in Deutschland machen lassen:
- Gesundheits-Check beim Hausarzt
- Zahnarzt-Kontrolle (Zahnbehandlungen sind in Spanien teurer)
- Augenarzt bei Bedarf
- Alle Impfungen auf den neuesten Stand bringen
Informiere dich über das spanische Gesundheitssystem und beantrage rechtzeitig deine Tarjeta Sanitaria. Als Backup ist eine private Zusatzversicherung empfehlenswert.
Integration: So wirst du zum echten Canario
Die Sprache leben, nicht nur lernen
Spanisch sprechen ist eine Sache – es zu leben eine andere. Vermeide den Fehler vieler Auswanderer, die sich nur in deutschen Expat-Kreisen bewegen. Ja, es ist bequemer, aber du verpasst dadurch die echte Integration.
Meine Erfolgsstrategie:
- Lokale Märkte statt Supermarktketten besuchen
- In kanarischen Bars statt deutschen Kneipen verkehren
- Spanisches Radio und TV schauen (auch wenn du anfangs nur Bahnhof verstehst)
- Lokale Feste und Veranstaltungen besuchen
Der Durchbruch kam bei mir nach etwa 8 Monaten, als ich plötzlich träumte auf Spanisch. Ab da wurde alles leichter.
Kulturelle Eigenarten verstehen
Die kanarische Mentalität unterscheidet sich deutlich von der deutschen Effizienz-Kultur. „Mañana“ bedeutet nicht unbedingt „morgen“, sondern eher „irgendwann, wenn es passt“. Das ist anfangs frustrierend, aber mit der Zeit lernst du, diese Gelassenheit zu schätzen.
Wichtige kulturelle Codes:
- Pünktlichkeit: Bei privaten Einladungen ist es unhöflich, pünktlich zu erscheinen – 15-30 Minuten Verspätung sind normal
- Essenszeiten: Mittagessen zwischen 14-16 Uhr, Abendessen nie vor 21 Uhr
- Sonntag: Ist wirklich Ruhetag – Geschäfte geschlossen, Familie steht im Mittelpunkt
- Lautstärke: Spanier sind lauter als Deutsche – das ist nicht unhöflich, sondern normal
Lokale Traditionen entdecken
Das Karnevalsfest in Las Palmas ist nach Rio das zweitgrößte der Welt. Mein erster Karneval war überwältigend – die ganze Stadt ist wochenlang im Ausnahmezustand. Heute gehört es zu meinen absoluten Highlights des Jahres.
Andere wichtige Feste:
- Corpus Christi: Kunstvolle Blumenteppiche in den Straßen
- San Juan: Strand-Partys und Lagerfeuer am 24. Juni
- Fiesta del Pino: Wallfahrt zum Teror im September
- Los Indianos: Karibik-Karneval in Santa Cruz de La Palma
Arbeit finden auf der Insel
Der Arbeitsmarkt auf Gran Canaria ist limitiert, aber nicht hoffnungslos. Die meisten Jobs gibt es im Tourismus, aber auch andere Branchen bieten Chancen:
Branchen mit Potenzial:
- Tourismus: Hotels, Restaurants, Reiseveranstalter
- IT/Online: Immer mehr Digitalunternehmen siedeln sich an
- Immobilien: Makler, Verwaltung, Beratung für Deutsche
- Gesundheitswesen: Besonders Pflege und Physiotherapie
- Selbstständigkeit: Consulting, Online-Business, lokale Dienstleistungen
Gehaltserwartungen sind deutlich niedriger als in Deutschland:
- Einstiegsgehalt: 800-1.200 Euro
- Qualifizierte Fachkraft: 1.200-2.000 Euro
- Führungsposition: 2.000-3.500 Euro
Viele Deutsche kompensieren das durch Remote-Arbeit für deutsche Unternehmen oder eigene Online-Businesses.
Immobilien: Kaufen oder mieten?
Mietmarkt verstehen
Der Mietmarkt ist komplex und regional sehr unterschiedlich. In Touristengebieten dominieren Kurzzeitmieten über Airbnb, was das Angebot für Langzeitmieter verknappt.
Insider-Tipps für die Wohnungssuche:
- Beste Zeit: September bis November (nach der Touristensaison)
- Vermeide reine Ferienwohnungsgebiete
- Networking ist alles – erzähle jedem von deiner Suche
- Lokale Zeitungen haben oft bessere Angebote als Online-Portale
- Facebook-Gruppen der deutschen Community nutzen
Typische Nebenkosten:
- Comunidad (Hausgeld): 50-150 Euro/Monat
- Strom: 50-120 Euro/Monat (je nach Klimaanlage-Nutzung)
- Wasser: 30-60 Euro/Monat
- Internet: 30-50 Euro/Monat
- Müllabfuhr: 20-40 Euro/Monat
Immobilienkauf als Investment
Kaufen kann sich lohnen, aber nur mit lokaler Expertise. Der kanarische Immobilienmarkt hat seine eigenen Regeln und Fallen.
Wichtige Punkte beim Kauf:
- Nota Simple: Grundbuchauszug prüfen lassen
- Cédula de Habitabilidad: Bewohnbarkeitsbescheinigung
- IBI: Grundsteuer (0,4-1,1% des Katasterwertes jährlich)
- Plusvalía: Wertzuwachssteuer beim Verkauf
- Comunidad: Monatliche Hausgemeinschaftskosten
Ein seriöser Anwalt ist unverzichtbar. Die Kosten (etwa 1% des Kaufpreises) sind gut investiert. Empfehlenswerte Kanzleien findest du über die deutsche Botschaft oder Expat-Gruppen.
Beliebte Wohngegenden im Detail
Las Palmas de Gran Canaria (Hauptstadt):
- Vegueta/Triana: Historisches Zentrum, kulturell, aber nachts laut
- Las Canteras: Strandnähe, gute Infrastruktur, höhere Preise
- Mesa y López: Shopping-Zentrum, urban, verkehrsreich
- Schamann: Familienfreundlich, ruhiger, gute Schulen
Südküste:
- Maspalomas: Dünen, Hotels, touristisch, teuer
- Playa del Inglés: Deutsche Hochburg, alle Services, aber sehr touristisch
- Puerto Rico: Künstlich angelegt, windgeschützt, kleine Apartments
- Mogán: „Venedig der Kanaren“, malerisch, aber isoliert
Inland/Berge:
- Tejeda: UNESCO-Weltkulturerbe, Natur pur, wenig Infrastruktur
- Teror: Wallfahrtsort, authentisch, gute Verkehrsanbindung
- Arucas: Industriestadt, günstig, weniger touristisch
Banking und Finanzen
Bankkonto eröffnen ist mit NIE-Nummer und Wohnsitznachweis einfach. Die größten Banken sind Santander, BBVA und CaixaBank. Alle haben englisch- und teilweise deutschsprachigen Service.
Gebühren sind höher als in Deutschland:
- Kontoführung: 5-15 Euro/Monat
- Überweisungen: 1-3 Euro
- Bargeld abheben: 2-4 Euro bei Fremdbanken
Tipp: Online-Banken wie ING oder N26 haben oft bessere Konditionen und funktionieren europaweit.
Internet und Telekommunikation
Internetgeschwindigkeit ist deutlich langsamer als in Deutschland. Glasfaser gibt es hauptsächlich in Las Palmas und touristischen Zentren. Im ländlichen Bereich musst du oft mit 10-50 Mbit/s zurechtkommen.
Hauptanbieter:
- Movistar: Beste Abdeckung, teurer
- Orange: Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Vodafone: Günstiger, aber schlechtere Abdeckung im Inland
Transport und Mobilität
Öffentliche Verkehrsmittel sind günstig, aber nicht sehr zuverlässig. Die „Guaguas“ (Busse) fahren unregelmäßig, besonders am Wochenende und im Inland.
Auto ist fast unverzichtbar, wenn du die ganze Insel nutzen willst. Gebrauchtwagen sind teurer als in Deutschland, da sie importiert werden müssen. Benzin ist dafür günstiger.
Führerschein musst du nach 2 Jahren Wohnsitz umschreiben lassen. Das geht über die Jefatura Provincial de Tráfico mit einem medizinischen Test und psychotechnischen Prüfung.
Einkaufen und Versorgung
Supermärkte: Mercadona, HiperDino und Carrefour sind die größten Ketten. Deutsche Produkte findest du bei Lidl oder in speziellen „Tiendas Alemanas“.
Märkte sind günstiger und frischer:
- Samstag: Großer Markt in Santa Lucía
- Dienstag/Samstag: Markt in Teror
- Sonntag: Vegueta-Markt in Las Palmas
Online-Shopping ist weniger entwickelt. Amazon Spanien liefert, aber die Auswahl ist begrenzter und teurer als in Deutschland.
Häufige Fragen neuer Auswanderer
Kann ich meinen deutschen Job remote machen?
Homeoffice ist möglich, aber du musst die steuerlichen Konsequenzen beachten. Nach 183 Tagen Aufenthalt wirst du in Spanien steuerpflichtig. Kläre das unbedingt vorher mit einem Steuerberater ab.
Was passiert mit meiner deutschen Krankenversicherung?
Gesetzlich Versicherte können sich beurlauben lassen und zahlen einen reduzierten Beitrag. Privatversicherte sollten prüfen, ob ihr Tarif auch in Spanien gilt.
Wie finde ich deutsche Ärzte?
Es gibt einige deutschsprachige Ärzte auf der Insel, besonders in touristischen Gebieten. Eine Liste findest du beim deutschen Konsulat oder in Expat-Gruppen.
Kann ich meine Kinder auf deutsche Schulen schicken?
Die Deutsche Schule Las Palmas ist die einzige deutsche Schule auf der Insel. Plätze sind begrenzt und teuer (etwa 400-600 Euro/Monat). Alternativ gibt es internationale Schulen mit englischem Curriculum.
Wie ist das mit der Rente?
Deutsche Rente wird problemlos nach Spanien überwiesen. Du musst nur eine Lebensbescheinigung jährlich vorlegen. Beachte aber die spanische Steuerpflicht bei höheren Renten.
Mein Fazit nach drei Jahren
Auswandern nach Gran Canaria war die beste Entscheidung meines Lebens – aber auch eine der herausforderndsten. Die ersten Monate waren hart: Bürokratie-Stress, Sprachprobleme, Heimweh und das Gefühl, komplett neu anfangen zu müssen.
Heute kann ich sagen: Es hat sich gelohnt. Meine Lebensqualität hat sich drastisch verbessert. Ich bin entspannter, gesünder und offener geworden. Die Sonne, das Meer und die entspannte Mentalität der Canarios haben mich geprägt.
Was ich anders machen würde:
- Früher und intensiver Spanisch lernen
- Mehr Geld für die ersten Monate einplanen
- Weniger Hausrat mitnehmen, mehr vor Ort kaufen
- Schneller Kontakt zu Einheimischen suchen
Ist Gran Canaria für jeden geeignet? Definitiv nicht. Du brauchst eine gewisse Anpassungsfähigkeit, Geduld mit der Bürokratie und die Bereitschaft, dich auf eine andere Kultur einzulassen. Wenn du jedoch nach mehr Sonne, weniger Stress und einem entschleunigten Leben suchst, könnte Gran Canaria dein neues Zuhause werden.
Die Kanaren warten mit offenen Armen auf dich – aber bereite dich gut vor und gehe mit realistischen Erwartungen an das Abenteuer heran. ¡Buen viaje y que tengas suerte!

Tobias Fendt ist ein Autor und Weltenbummler. Er schreibt für Websites und reist gleichzeitig um die Welt. Derzeit lebt er in Asien und arbeitet von dort aus als digitaler Nomade. Er liebt es, über Reisen und Auswandern zu schreiben und andere in jeder Phase der Planung ihres Abenteuers zu informieren.

Ähnliche Beiträge